Schuluhr

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Durch die von Bäumen verdeckte Lage an einem nicht mehr benutzten Seiteneingang erschließt sich nicht auf den ersten Blick, dass das Rochwitzer Schulhaus eine Turmuhr hat.

Aus den Erinnerungen des Rochwitzer Lehrers Max Schneider von 1932:

"Gleichzeitig gelang dem Leiter der Schule, einen großen örtlichen Übelstand zu beseitigen. Bisher war es hiervor Ort eine besondere Schwierigkeit, die Kinder pünktlich in die Schule zu bekommen, da nur selten einmal - die Bühlauer Kirche existierte ja noch nicht - aus der Ferne ein Glockenschlag sich nach Rochwitz verirrte, und im Übrigen: „Unsere Uhr ging falsch!“  Nun bekam die Schule eine Turmuhr. Der Schulvorstand wollte zunächst von solchem Luxus nichts wissen, da veranstalteten die Lehrer eine Haussammlung, die 75 % der Kosten ergab und - man sagte Ja, nachdem der Lehrer auf die Frage: „Wer wird sie aber pflegen?“ - auch noch versprochen hatte, dies auf Amtszeit zu tun."

Das um 1894 vom Meißner Uhrmacher Hummel gebaute Uhrwerk befindet sich heute noch weitgehend im Originalzustand. Im Zuge der Renovierung der Schule um 1984 wurde es nach längerem Stillstand in privater Initiative wieder instandgesetzt und lief bis Anfang der 90er Jahre. Seither vermissten die Rochwitzer seinen halbstündlichen Glockenschlag.


Seit 2011 erfolgte - wieder in Eigeninitative - eine erneute Reparatur. Das alte Uhrwerk wurde gereinigt und in einen funktionsfähigen Zustand versetzt. Allerdings offenbarten sich im Zuge der Reparaturarbeiten zwei Probleme: Die Seillängen der im Dachstuhl hängenden Uhrengewichte erlauben nur eine Gangreserve von 1 bis 2 Tagen. Als es noch an sechs Tagen pro Woche Unterricht gab, stellte das regelmäßige Hochkurbeln der Gewichte keine Schwierigkeit dar. Heute würde die Gangreserve nicht genügen, um Wochenenden oder Feiertage zu überbrücken. Weiterhin kam aus einem Nachbarhaus der Schule die Forderung, dass die Glocke nachts nicht schlagen solle. Dies ist mit dem mechanischen 12-Stunden-Schlagwerk nicht möglich.
So fiel die Entscheidung, Zeiger und Schlagwerk mit einem elektrischen Antrieb zu versehen.
Das elektronisch gesteuerte Schlagwerk ist seit Mitte 2012 im Einsatz. Es handelt sich um eine Eigenkonstruktion auf Basis eines Getriebemotors, der je Umdrehung zweimal einen Hebelarm nach unten zieht, welcher mit dem Glockenseil verbunden ist. Ein Schaltkontakt zählt die Schläge. Für die Motorsteuerung ist eine programmierbare Kleinsteuerung Siemens Logo zuständig.
Seit September 2013 drehen sich auch die Zeiger wieder auf dem noch etwas rostigen Zifferblatt. Auch der Zeigerantrieb wird von einer Siemens Logo gesteuert. Hier kommt ein Schrittmotor zum Einsatz, der die Zeiger bei jedem Impuls um 18 Sekunden vorrücken lässt.

Vor einiger Zeit wurden die Pläne zum Abriss des Schulgebäudes bekannt. Von Seiten der Stadtverwaltung wurde zugesichert, dass das historische Uhrwerk in den zu errichtenden Neubau integriert wird. Der Sandsteingiebel soll an einem anderen Platz in Rochwitz aufgestellt werden.