Johannes Beutner

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Geboren am 06. Mai 1890 in Cunnersdorf bei Hohenstein als Sohn eines Schmiedemeisters und Werkzeugmachers (vgl. Schmiede) wuchs er in Rochwitz auf. Er verbrachte hier seine Kindheit und besuchte von 1897 – 1905 die Rochwitzer Schule. Er verstarb am 18. Juli 1960 in Loschwitz.
Damals besaß Professor Richard Müller das Ludwig-Richter-Haus in Oberloschwitz. Er war der Exerzitien- und Zuchtmeister seiner Zeichenklasse an der Akademie auf der Brühlschen Terrasse. Wer das Studium bei ihm durchlaufen hatte, musste kein guter Künstler sein, aber das Handwerk des Zeichnens hatte er von Grund auf gelernt. Ein zeichnender Arbeitersohn aus Rochwitz muss ihm als begabt erschienen sein.
Müller erteilte ihm von 1903 – 1905 Unterricht und sorgte für die vorzeitige Aufnahme des Fünfzehnjährigen in die Klasse Robert Sterls an der Kunstakademie, die er von 1905 – 1906 besuchte.
Höheres und Besseres gab es nicht. Was wie ein Märchen begonnen hatte, schien es jäh abzubrechen. Denn schon nach Jahresfrist zwangen Johannes und Hilde wirtschaftliche Gründe, eine Lehre aufzunehmen. Er lehrte Beutner Farbchemograph. "Doch gerade dies", schrieb Dr. Fritz Löffler (1899 - 1988, Dresdener Kunsthistoriker, Chronist, Literaturwissenschaftler und Denkmalpfleger) "bedeutet eine entscheidende Schulung seines Farbgefühls."

Schaufensterpuppe
Johannes Beutner: Schaufensterpuppe, 1932
Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Mutter mit zei Söhnen
Johannes Beutner: Mutter mit zwei Söhnen, 1948
Fotos: Deutsche Fotothek Dresden

Von 1915 bis 1918 war Johannes Beutner Soldat im Ersten Weltkrieg, danach bis 1920 technischer Leiter einer Kunstanstalt in Leipzig. Dreißigjährig ging er nach Dresden zurück, um sein Studium an der Akademie fortzusetzen. Instinktsicher wählte er die ihm gemäße Richtung.
Bis 1924 war er zuerst Schüler bei Otto Hettner, dann Meisterschüler bei Ludwig von Hofmann. Dies waren die Neoklassizisten der Dresdner Akademie, zugleich Meister einer gemäßigten Moderne. Bei ihrem Schüler Beutner ist sie deutlich zu sehen, im Aufbau seiner frühen Bilder aus klaren Kontrasten und Angleichung der dargestellten Körper an geometrische Formen, ohne dass diese Ordnungsprinzipien jemals das Prinzip des Realismus in Frage stellen. Seine Farben bringt er damit überein durch Brechung auf einen gedämpften Ton, der Ruhe und Klarheit im Bild herrschen lässt. Es ist diese Grunddisposition der schönen Malerei, die der große Kunstlehrer Carl Rade, Professor an der Kunstgewerbeakademie, so eindrucksvoll verkündete, dass sie zum Kennzeichen und Qualitätsstandard Dresdner Malerei wurde, bis in die achtziger Jahre hinein. Wahrscheinlich auf Grund dieser Merkmale hat Max Liebermann Johannes Beutner 1930 für das Staatsstipendium der Deutschen Akademie vorgeschlagen, einen einjährigen Studienaufenthalt in der Villa Massimo in Rom.

Nach 1945 gelang es ihm durch glücklichen Zufall, ein Haus in Oberloschwitz zu erwerben, im alten Weinberggebiet, einer einzigartigen Landschaftssituation, schrieb Dr. Fritz Löffler.
Johannes Beutner fühlte sich befreit und war jetzt ein anerkannter Künstler, mit öffentlichen Aufträgen bedacht. Er malte viel und gut in dieser Zeit im Atelier auf der Chemnitzer Straße – glückliche Werke von festem Bau und klarer Komposition. Es scheint so, als ob glückliche Zufälle sein Leben bestimmt hätten.
Ersichtlich war es aber das Glück des Tüchtigen, die kluge Nutzung guter Anlagen und guter Gelegenheiten.
Beutner, wie die meisten Dresdner Maler seiner Generation auf der Entwicklungsstufe der neuen Sachlichkeit, war aber nicht nur fasziniert von der Stimmigkeit des klaren Lichts und der kubischen Architektur in der Landschaft Italiens, sondern er orientierte sich auch an der verwandten italienischen Moderne, die in Korrespondenz stand mit der Französischen.
Dem vollendeten Ausdruck dieser Kunst- und Lebenshaltung begegnet man noch heute in den Darstellungen Hilde Beutners. Ein glücklicher Zufall führte ihm 1926 diese schöne junge Frau über den Weg, und er war tüchtig und instinktsicher genug, dieses Glück zu halten. Jenes klassische Ebenmaß, das er schon bei der Wahl seiner Lehrer gesucht und schließlich in Italien in Form umzusetzen gelernt hatte, war ihr Wesen.
Solange er den Pinsel führen konnte, dreißig Jahre lang, wurde er nicht müde, sie zu malen. Er wurde durch sie zum besten Aktmaler der Dresdner Kunst dieses Jahrhunderts. Betrat man Beutners Haus noch zu seinen Lebzeiten, gewahrte man sogleich den Ausdruck von Heiterkeit, Kraft und Harmonie in ihrer Erscheinung, ebenso wie in den großen Aktbildern von ihr im Treppenhaus, und man sah diese seltene Übereinstimmung einer alten Dame mit der sinnlichen Anmut und Pracht der schönen jungen Frau in den Gemälden. Sie war seine Muse. Man wünschte sich eine Tafel mit ihrem Namen zum Gedächtnis auch dieser außerordentlichen Frau, die sein Glück war, auf Beutners Grab.
In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war der Maler Johannes Beutner im Dresdner Kunstleben eine bekannte Größe. Seine dekorativen Arbeiten im öffentlichen Raum – die Glasmosaiken im Foyer der heutigen Orthopädischen Universitätsklinik und auf der Säule vor dem Café Prag am Altmarkt – waren stadtbekannt, und Gemälde von ihm hingen in allen Bezirksausstellungen.

Sgrafitto Zellescher Weg 41d
Sgrafitto von Johannes Beutner, Zellescher Weg 41d
Foto: Wikimedia Commons,  Xaver X. Dreißig
Mosaiksäule am Café PragMosaiksäule
am Café Prag


Fritz Löffler zählte ihn 1987 zusammen mit Hegenbarth, Wilhelm, Winkler, Jüchser und Kröner zu jenen Malern, die das Dresdner Kunstleben entscheidend mitbestimmten.
Damals lag er schon seit 27 Jahren zwischen seinen Malerfreunden auf dem Loschwitzer Friedhof, unweit der Toreinfahrt bei der westlichen Mauer. Mit einigen von ihnen gehörte er zu den "Getreuen Sieben", die seit 1931 zum gemeinsamen Zeichnen in die Landschaft zogen.
Wie die meisten von ihnen verlor auch Johannes Beutner fast sein gesamtes Lebenswerk beim Bombenangriff auf Dresden. Danach blieben ihm nur noch fünfzehn Lebensjahre. Zwölf davon, bis zum Ausbruch seiner tödlichen Krankheit, waren seine besten.

Zusammengestellt von Marlis Behrisch und Rolf Gäbel

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