61. Grundschule Dresden-Rochwitz

Homepage Navigationsleiste

Am 11. Oktober 2012 feierte die Rochwitzer Schule ihr 130-jähriges Gründungsjubiläum. Die Rochwitz-Runde gestaltete aus diesem Anlass eine kleine Ausstellung mit historischen Text- und Bilddokumente aus der Geschichte der Schule.

Poster zum Schuljubiläum
Die zum Jubiläum angefertigten Poster werden nun im Treppenaufgang des Schulgebäudes gezeigt

Hier finden Sie  Auszüge der von Marlis Behrisch und Rolf Gäbel zusammengestellten Dokumentation zum Nachlesen. Weitere historische Fotos zur Schule befinden sich im
Fotoarchiv vor 1945 und nach 1945.

1882: Ende der langen Schulwege - Rochwitz bekommt eine eigene Schule

Rochwitz gehörte über Jahrhunderte zu der großen Kirch- und Schulgemeinde Schönfeld, die insgesamt 12 Dorfgemeinschaften umfasste. Die Rochwitzer Kinder besuchten deshalb zunächst die Kirchschule im 5 km entfernten Schönfeld. Das älteste bekannte Schuldokument ist eine Besoldungsurkunde aus dem Jahre 1540, die interessant genug erscheint, hier wiedergegeben zu werden:
„Der Küster und Schullehrer zu Schönfeld hat zu empfangen: Gute Behausung; ein Gärtchen; ein klein Wiesenflecklein; jährlich ein Brot aus jedem der 214 Häuser der Parochie; einenPfennig aus jedem Haus und einen weiteren Pfennig zum neuen Jahr; Eier zu Gründonnerstag, dazu aus Eschdorf sieben Scheffel Korn; 11 Groschen Botenlohn um Wein und Hostien zu holen,4 Groschen vom Pfarrer und ebensoviel von der Gemeinde.”
Eine Aufzeichnung aus dem Jahre 1670 berichtet:
„… daß in Bühlau ein Gärtner in den großen Stuben der Bauernhäuser die kleinen Bürschle in Beten und Lesen zu unterrichten habe; wer aber mehr lernen wolle, etwa Schreiben und Rechnen, der gehe nach Schönfeld zur Schule.“
Dieser Zustand blieb für die nächsten 136 Jahre bestehen. Im Jahre 1806  ließ der Helfenberger Rittergutsbesitzer Neitzsch aus eigenen Mitteln in Bühlau ein Schulhaus mit einem Klassenzimmer, heute das Wohnhaus Quohrener Str. 15, bauen. Der 1804 als Kirchweg ausgebaute Feldweg zwischen Rochwitz und Bühlau, später größtenteils durch die Hutbergstraße überbaut, war der Schulweg für die Rochwitzer Kinder.  1861 entstand an der Quohrener Straße ein neues zweiklassiges Schulgebäude, um die wachsendende Schülerzahl aus Bühlau und Rochwitz aufzunehmen. Bereits am 29. Januar 1808 baten die Rochwitzer Einwohner um die Genehmigung einer Anstellung für einen eigenen „Kinderlehrer”. Aber erst im Sommer des Jahres 1882 baute die Gemeinde Rochwitz mit einem Darlehen von 9000 Mark ihr eigenes Schulhaus für zweiklassigen Betrieb mit Klassenraum, Garderobe Lehrmittelraum und Lehrerwohnung.  Für den Unterricht der 67 Schüler in den beiden Klassen (Unterklasse 1 bis 4 und Oberklasse 5 bis 8) war nur ein Lehrer zuständig. Der erste Lehrer im Amt, Herr Peschel, musste als Folge eines Lungenleidens bereits nach 6 Jahren ausscheiden. An seine Stelle wählte der Schulvorstand den zu dieser Zeit an der Schule zu Weißig amtierenden Lehrer Max Schneider, der die Schule am 30. März 1889 mit 90 Kindern übernahm. Unter seiner 35 Jahre währenden verdienstvollen Leitung entwickelte sich die zweiklassige Dorfschule weiter bis zur 61. Volksschule. Lehrer Schneider erinnert sich an seinen Umzug nach Rochwitz 1889:
„Die Schulvorstände hatten den bescheidenen Hausrat ihres neuen Lehrers eigenhändig in einen kleinen Möbelwagen untergebracht und begannen den Umzug von Weißig nach Rochwitz. Fahrt und Marsch nahmen den Weg über die Gönnsdorfer Höhe  an der damals noch in Betrieb befindlichen Windmühle vorüber nach der Quohrener Straße – ohne jede Schwierigkeit. Aber kaum hundert Meter auf dem „Leichenweg” (volkstümlicher Name jener Zeit) nach Rochwitz zu begann das Schlammgebiet sein russisches Gepräge zu zeigen: Unser Möbelwagen versank bis an die Achsen im Schlamm und blieb unbewegbar stehen. Nach mancherlei ernsten oder in heiterem „Galgenhumor” geäußerten Reden gelang es, einen von fernher kommenden Brotwagenkutscher zur Hilfeleistung herbei zurufen. Mit Vorspannung, den Wagen bald vor bald rückwärts, bald im Trabe hin und her bewegend kam man endlich über den schlimmsten Sumpf dieser „Straße” hinweg, und ich bekam den ersten Begriff von den Rochwitzer Straßen- und Wegeverhältnissen, die seit Jahrhunderten der Bevölkerung für den Verkehr genügt hatten. An der Rochwitzer Schule angekommen, empfing mich der Kinderchor mit dem Liede: „Harre meine Seele …”“

Über die Schwierigkeiten des jungen Lehrers bei der Beantragung einer Heiratsurkude: PDF

1884 - 1914: Die Gemeinde wächst - Raumnot und Personalmangel

Das „überaus trauliche Schulanwesen auf der herrlichen Rochwitzer Höhe“ (Oberlehrer Schneider) genügte bald nicht mehr den Erfordernissen. Im Jahr 1894 war die Oberklasse bereits mit 60 und die Unterklasse mit 70 Schülern besetzt. Der rasante Schülerzuwachs ging vor allem auf den Bau des Ortsteils Neurochwitz (Kamerun)  zurück. 1894 wurde die Schule durch einen Anbau auf vierklassigen Betrieb erweitert, wobei sich der Lehrkörper auf Oberlehrer Schneider sowie einen Hilfslehrer beschränkte. Ein weiterer Anbau im Jahr 1900 ermöglichte sechsklassigen Unterricht.  An Stelle eiserner Öfen für die Klassenzimmer konnte nun auch eine Warmwasserheizung installiert werden.
1903 wurden 240 Schüler angemeldet, was achtklassigen Unterricht und die Einstellung einer vierten Lehrkraft erlaubte. Dieser Zustand dauerte jedoch nur zwei Jahre an. Neu entstandene Stadtteile, wie zum Beispeil Striesen, lockten mit günstigen Mietangeboten Rochwitzer Familien zum Umzug und ließen die Schülerzahl auf 200 bis 220 sinken. Der Unterricht musste nun mit drei Lehrern aufrechterhalten werden, was nur durch Überstunden realisierbar war.
Entwicklung der Schülerzahl:
1887:        85
1890:        104
1893:        127
1897:        200
1899:        221
1900:        238
1912:        226
1915:        205
Nach der Erweiterung des Schulgebäudes bestand großer Mangel an Lehrmitteln. Die kleine Gemeinde hatte sich beim Schulbau finanziell verausgabt und war mit der Lehrmittelbeschaffung überfordert. Als Selbsthilfe beschlossen die Lehrer, mittels Schulaufführungen die Anschaffung von Lehrmitteln zu finanzieren. Den ersten Erlös in Höhe von 42 Mark brachte eine Weihnachtsfeier des Ortsvereins, in der der Schulchor sang. Mit weiteren elf „Chorkonzerten“ wurden, wie vermerkt , erkleckliche Mittel für diesen Fond eingetragen. Sie dienten zum Kauf eines Harmoniums für die Singestunde, eines Projektionsapparates und schließlich für die Anschaffung eines “ganzen Turngerätes”. An den Schulvorstand zu Rochwitz, 8. Dezember 1899, von der Kgl. Schulinspektion für den Bezirk Dresden-Neustadt:
„Gegen die nach Anzeige des Lehrers Schneider für den 25. Dezember geplante Aufführung des Märchens Hänsel und Gretel mit Kindern der 1. und 2. Klasse im Gasthof zu Rochwitz gehen der Königliche Schulinspektion Bedenken unter der Voraussetzung nicht bei, daß der Reinertrag zur Ansammlung eines Fonds für Beschaffung eines Schulharmoniums verwendet und hierüber seiner Zeit Rechnung anher abgelegt wird.”

1914 - 1945: Zwischen den Weltkriegen - Not und Fortschritt

Bedingt durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die Lehrerzahl auf zwei reduziert und die Schüler in fünf Klassen zusammengezogen. Lehrer und Schüler zog man zu Hilfsaktionen heran. Dazu gehörten beispielsweise - die Betreuung von Kriegsteilnehmer-Familien und Kriegerwitwen, - die Durchführung von Vortragsabenden zur Hebung der Stimmung in der Heimat. Die Versorgungslage verschlechterte sich zunehmend. Es fehlte auf allen Gebieten an Rohstoffen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die Versorgung der Truppen mit Ersatzstoffen verschiedenster Art zu gewährleisten. Man wandte sich vor allem an die Schulen. Die Lehrer hatten den Auftrag, ihren Schülern  die Wichtigkeit kriegsbedingter Maßnahmen nahe zu bringen.
Eine Auswahl von Notmaßnahmen 1914 bis 1918:
  • Da das Petroleum knapp wurde, gab es eine Verordnung  zum Sammeln von Eicheln und Rosskastanien zur Gewinnung von Brennöl. Für 1 000 kg Eicheln gab es 120 Mark, für Kastanien 90 Mark. Das Geld musste dem Verein „Heimatdank“ zur  Verfügung gestellt werden.
  • Ebenso gab es eine Anweisung über das Sammeln von Brennnesseln, die sich zu Fasern verarbeiten ließen.
  • Um dem Mangel an Speiseöl zu begegnen, mussten unentgeltlich Steinobstkerne gesammelt werden.
  • Nach der Getreideernte mussten die Schüler Ähren lesen gehen.
  • Kirschlaub wurde für die Tabakfabrikation fermentiert, aus Waldlaub fabrizierte man „Pferdekuchen“.
  • Angesichts der  herrschenden Lebensmittelknappheit erging eine Verordnung, Pilze zu sammeln.
  • Es wurde dazu aufgerufen, von Verwandten und Freunden Gold zu sammeln. Der Schüler, der am meisten gesammelt hatte, erhielt einem schulfreien Tag.
  • Von der Königlichen Bezirksinspektion Dresden III ist am 31. März 1916 folgende Anweisung erteilt worden: Bei der Schulaufnahme ist es verboten, Zuckertüten auszuteilen.
1921 wurde Rochwitz nach Dresden eingemeindet. Mit Einführung der allgemeinen Volksschule in Sachsen kam es zur landesweiten Vereinheitlichung der Lehrpläne. Ein Erweiterungsbau erhöhte 1922 die Zahl der Klassenräume auf  6. Die Schule erhielt die Bezeichnung „61. Volksschule Dresden“. Das Schulhaus blieb in seiner Bausubstanz bis in die Gegenwart unverändert. Eine bemerkenswerte Verbesserung war der Umbau der bis dahin „dörflichen Abortanlage“ in ein Wasserklosett mit Anschluss an die Schwemmkanalisation im Jahre 1935. In dieser Zeit entstand auch ein Werkraum.

1945 - 1989: Neuanfang unter anderen Vorzeichen

Nach Kriegsende war das Schulgebäude von Mai bis Anfang Juli durch sowjetische Truppen belegt. Der Unterricht in verschiedenen Heimen und Gasthäusern des Ortes statt. Nach der Räumung der Schule wurden durch Lehrer und Rochwitzer Einwohner zerbrochene Fensterscheiben ersetzt, die beschädigten Lichtleitungen in Ordnung gebracht, Schlosser- und Maurerarbeiten ausgeführt und die Lehrmittel wieder in einen gebrauchsfähigen Zustand versetzt. Von den Lehrern, die schon vor 1945 an der 61. Grundschule tätig waren, blieb nur einer, die übrigen wurden im Laufe der Herbstmonate wegen ihrer Zugehörigkeit zur NSDAP entlassen. Im Schuljahr 1945/46 waren die unteren Jahrgänge überfüllt, da Rochwitz durch die Zerstörung Dresdens sehr dicht bevölkert war. Vom Schuljahr 1946/47 an gab es wieder acht Klassen. Von den acht Schulzimmern dienten sieben als Klassenzimmer (Klasse 1 und 2 benutzten dasselbe im Wechsel), das achte war als Turnraum eingerichtet. Die Fluktuation unter dem Lehrpersonal war anfänglich sehr stark. Von 1945 bis zum Ende des Schuljahre 1952 amtierten fünf verschiedene Schulleiter.
1951/52 konnte der Turnraum in den ehemaligen Oberrochwitzer Gasthof verlegt werden. Im kleinen Gasthofsaal wurde im Schuljahr 1952/53 ein Kultursaal eingerichtet. 1954 wurden, ebenfalls im alten Gasthofgebäude, der Schulhort sowie ein Speisesaal eingerichtet. Im Jahre 1976 erfolgte die Umstellung zur zehnklassigen Polytechnischen Oberschule. Angesichts von nur acht Klassenräumen blieb der Raummangel eine Herausforderung. Die  61. Schule erhielt den Namen „Heinrich-Schütz-Oberschule”. Der 1672 in Dresden verstorbene Komponist gilt als bedeutender Meister des Frühbarocks. Neuen Außenputz, neue Fenster und eine malermäßige Instandsetzung erhielt die Schule 1983.

Aus dem Rechenschaftsbericht der Klasse 5, Schuljahr 1988/89
„Am Anfang des Schuljahres hat sich jeder Schüler der Kl. 5 ein eigenes Lernziel zur Verbesserung seines Zensurenstandes gestellt. Zur Lernkonferenz im Halbjahr wurde festgestellt, dass einige Schüler das Ziel bereits erfüllt, aber sehr viele noch daran arbeiten müssen. Der Gruppenrat bemüht sich weiter um die Verbesserung der gesamten Disziplin.Die Hilfe bei Krankheiten der Schüler ist sehr gut, denn jeder hat einen Paten. Um bessere Leistungen in Biologie zu erzielen, besuchten wir die Zooschule.  Anfang des Jahres erfolgte die Gruppenratswahl, monatliche Sitzungen werden durchgeführt. Wandertag, Fasching, Disco, Pioniergeburtstag, Weihnachtsfeier, 3 VMI-Einsätze,  Altstoffsammlungenwurden durchgeführt.  Soliaufkommen für Armenien – 1. Platz belegt. Brillen für Nikaragua wurden abgegeben.Fest der Jungen Talente war sehr erfolgreich, in Wettkämpfen wurden gute sportliche Erfolge erzielt. Alle Geburtstagskinder erhalten ein kleines Geschenk, die Arbeit mit der Patenbrigade ist gut.  Jetzt arbeiten wir an einer Wandzeitung. Hier stellen wir uns alle mit Passbildern vor.“

2016: Abriss des Schulhauses

Nachdem in den 2000er Jahren gelegentlich von der Schließung des Schulstandortes die Rede war, bekannte sich die Stadt 2013 öffentlich zu dessen Erhalt. Dabei wurde deutlich, dass das bisherige Schulhaus nicht mehr den Anforderungen gerecht wird. Mitte 2013 wurden Pläne zum Abriss des alten und zum Bau eines neuen Gebäudes bekannt. Besonders bei älteren Rochwitzern riefen die Abrisspläne heftige Kritik hervor. Es wurde befürchtet, dass der Verlust des im Kern 130 Jahre alten Gebäudes dem Ortsbild Schaden zufügen würde. Viele Rochwitzer favorisierten eine Modernisierung im Bestand.
Im Oktober stellte die Stadtverwaltung ihre Neubaupläne auf einer Informationsveranstaltung im Schulhaus vor. Die Notwendigkeit eines Abrisses wurde mit dem knappen Platzangebot auf dem Schulgrundstück und dem Fehlen alternativer Bauplätze begründet. Neben dem Schulgebäude ist auch eine Turnhalle darauf zu errichten. Im Mai 2014 stellte das beauftragte Architekturbüro Meyer-Bassin erste Entwürfe auf einer Ortsbeiratssitzung vor. Die vorgesehene Dach- und Fassadengestaltung stießen bei den anwesenden Rochwitzern auf Zustimmung und zeigten, dass ihre im Vorfeld geäußerten Einwände zu einer dem Ortsbild angepassten Außengestaltung ernst genommen wurden. Auch die historische Schuluhr soll ihren Platz im Neubau finden.
Im März 2016 begannen die Abbrucharbeiten. Die Rochwitzer Schüler müssen während der auf zwei Jahre angesetzten Bauzeit auf die Luboldtstraße am Weißen Hirsch ausweichen.
Letzte Innenaufnahmen des Schulgebäudes und Bilder vom Abriss finden Sie hier.
Im August 2016 wurde im Beisein der sächsischen Kultusministerin Brunhild Kurth die Grundsteinlegung gefeiert.

Vorplanung für den Neubau (PDF, 10 MB)

Weitere Informationen zu Abriss und Neubau finden sich unter "Aktuelles".

Quellen: Marlis Behrisch, Karl Richter und Rolf Gäbel, Schulakten, Gemeindeakten
Homepage Navigationsleiste
©